Der Besuch auf der Kinderonkologie ist eine wertvolle und hoffnungsbringende Arbeit, wird uns Survivors-MentorInnen oft gesagt. Und genau das ist es auch, was wir selbst erfahren.
Damit diese besondere Arbeit sowohl für die PatientInnen als auch für uns selbst lohnend ist und im besten Fall Hoffnung und neue Kraft bringt und nicht Energie nimmt, ist es wichtig für uns, im Vorfeld gut geschult worden zu sein.
Dies ermöglicht uns die ÖKKH durch einen Mentoring-Lehrgang.
Die Erfahrungen, welche die neuen Mentor*innen in diesem Lehrgang und in den letzten fünf Monaten als „frische“ MentorInnen gemacht haben, erzählten mir einige von ihnen:

 

Welche Erfahrungen hast du für dich persönlich aus dem Mentoring-Lehrgang mitgenommen?

Ich habe viel über meine Persönlichkeit gelernt, gehe im Alltag anders mit meinen Mitmenschen um und bin in der Kommunikation sensibler geworden. Am meisten bleiben mir die vielen Selbstreflexionen und die daraus entstandenen Erkenntnisse in Erinnerung.

Auch die Krankheitsgeschichten der anderen habe ich kennengelernt. Dadurch konnte ich mein Wissen über verschiedene Krebsarten und auch Folgen der Erkrankung erweitern.

Die Erkenntnis, wie ich mit schwierigen Situationen umgehe und diese am besten verarbeite, war eine wertvolle Erfahrung. Übungen zur Selbst- und Fremdeinschätzung, sprachliches Training, Schulung des Zuhörens und die Schaffung gedanklicher Anker und einem positiven Körperbild haben sich später auf der Kinderkrebsstation als sehr hilfreich erwiesen.

 

Decken sich die Inhalte des Lehrgangs mit den Herausforderungen, die du nun im Mentoring hast?

Absolut! Durch die im Lehrgang stattfindenden Rollenspiele bekommt man ein gutes Bild und Gefühl für die spätere Situation im Krankenhaus. Außerdem wurden wir umfangreich auf viele Eventualitäten, die auf der Kinderkrebsstation eintreten könnten, vorbereitet. Das hat mir viel Sicherheit gegeben.

Durch die erforderliche Praxis während des Lehrgangs, indem man mit einer bereits ausübenden MentorIn mitgeht, wird dieses Bild abgerundet.

 

Warum bist du MentorIn geworden?

Als ich damals im Spital war, gab es das Mentoring noch nicht. Von meiner Familie fühlte ich mich nicht verstanden. Mein Umfeld hat mich noch lange nach der Therapie als krank wahrgenommen. So wurde meine Krebserkrankung auch von mir nur mit negativen Gedanken in Verbindung gebracht. Erst später, als ich Berührung mit der Survivors-Gruppe hatte, änderte sich das. Ich möchte es den heutigen PatientInnen ermöglichen, mit Menschen ähnlicher Erfahrung in Kontakt zu können.

Weil ich mich als Kind oft gefragt habe, ob man heil aus der Sache rauskommen kann und ich mich gefreut hätte, jemanden zu sehen, der etwas Ähnliches erlebt und überlebt hat. Das, was ich nie hatte, möchte ich anderen bieten.

Ich wollte meine, durch die Krebserkrankung gewonnene, Erfahrung nutzen, um Menschen zu helfen, die Ähnliches durchstehen müssen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man mit (ehemalig) Betroffenen anders reden und umgehen kann und es eine andere, vertraute und positive Gesprächsbasis gibt.

Meine größte Motivation, selbst Mentor zu werden, waren die Gespräche mit den MentorInnen während meines eigenen Krankenhaus-Aufenthalts.

 

Wie geht es dir beim Mentoring auf der Kinderonkologie?

Mir geht es gut dabei. Es ist alles dabei: Freude, Traurigkeit, Dankbarkeit, Ablehnung, Skepsis, Hoffnung…

Ich bin an der Erfahrung als Mentor stark gewachsen. Jedes Mal bin ich wieder sehr stolz, wenn ich von der Kinderonkologie heimkomme. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man anschließend direkt merkt, dass ein Besuch positiv wahrgenommen wurde.

Beim Mentoring bzw. der Arbeit im Krankenhaus merke ich immer wieder, worauf es im Leben wirklich ankommt: gesund zu sein und das Beste aus jeder Situation zu machen. Das stärkt mich selbst im Alltag und gibt mir ein sicheres Gefühl.

Es ist alles dabei: Freude, Traurigkeit, Dankbarkeit, Ablehnung, Skepsis, Hoffnung.

 

Welche Herausforderungen sind dir schon begegnet?

Herausforderungen sind immer wieder anstrengende Eltern oder stumme PatientInnen.

Manchmal denke ich einige Zeit später darüber nach, was aus den PatientInnen geworden ist.

PatientInnen mit Therapie- und Krankheitsverläufen, die mir komplett unbekannt waren, stellten mich vor die Herausforderung, keine Antwort auf gewisse Fragen zu haben.

 

Wurdest du schon mit Erlebnissen konfrontiert, die aufgrund deiner eigenen Geschichte Emotionen auslösten?

Mir erzählte ein Junge von seinem Traum, auch weiterhin viel Sport machen zu können. Das ging mir persönlich sehr nahe.

Ein kleines Mädchen, das die gleiche Diagnose hatte, wie ich, hatte schlechte Heilungschancen. Sie zu besuchen ist mir sehr schwer gefallen. Die Tatsache, dass die gleiche Krankheit auch negativ enden könnte, hat in mir zunächst starke Unsicherheit und teilweise Schuldgefühle ausgelöst.

Der Anblick einer stark mitgenommenen Patientin, welche auch körperliche Veränderungen hatte, überforderte mich sehr und ich schämte mich, weil ich es im Vergleich gut erwischt habe und man mir meine Krankheit auf den ersten Blick nicht ansieht. Es hätte mich definitiv schlimmer treffen können.

 

Was möchtest du mir noch sagen?

Ich freue mich drauf, noch weitere tolle Erfahrungen zu sammeln und noch mehr starke KämpferInnen kennen zu lernen.

Ich bin sehr froh, mich für den Weg als Mentor entschieden zu haben.

Ich hoffe, dass die Kinder und Jugendlichen und auch deren Familien etwas aus unseren Gesprächen mitnehmen können und ich ihnen helfen kann, den Weg ein bisschen leichter zu machen.

Es ist immer wieder schön, als Mentorin zu arbeiten!

 

In diesem Sinne wünsche ich den „frischen“ MentorInnen weiterhin alles Gute bei ihrer wertvollen ehrenamtlichen Arbeit!

Eure Veronika
(Survivors STMK)