Ein Erfahrungsbericht
Auf der Katharinenhöhe stimmt eigentlich nicht ganz, denn wir Jugendlichen waren mit unseren Betreuern im Haus Schönwald untergebracht, einem Extrahaus im Schwarzwaldnest Schönwald. Außer Kuckucksuhren und viel Natur schien die Gegend nicht viel zu bieten – aber nur auf den ersten Blick!!
Die Reha war "eine der besten Nebenwirkungen" der ganzen Krankheit. Wir waren zwölf Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren alt aus allen Teilen Deutschlands und ich war die einzige Österreicherin. Das war allerdings kein Problem, abgesehen von Erdäpfeln und Kartoffeln, Eimer und Kübel. Wir hatten alle in der letzten Zeit Krebs und für viele war es das erste Mal, dass sie Gleichaltrige mit derselben Erkrankung kennengelernt haben. Entweder wurden wir in Kinderkrankenhäusern behandelt, wo alle jünger waren, oder in "normalen" Krankenhäusern, wo alle älter waren.
Die Betreuer waren total in Ordnung; sie waren Psychologen. Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, Kunsttherapeuten,… Rund um die Uhr war eine Krankenschwester im Haus und Zivildiener, die uns auf die "Katha", ins Haupthaus, geführt haben, wo das Schwimmbad, das Fitnessstudio und die Sporthalle waren. Alle Zimmer waren groß – die meisten Doppelzimmer- mit WC, Dusche und Balkon und waren so eingerichtet, dass man sich wie in einem 4 Sterne Hotel vorkam und nicht wie in einer Rehaklinik. Ich habe mir das Zimmer mit einem Mädchen aus Jena geteilt und wir haben uns trotz sprachlicher Differenzen sofort verstanden: Wiener und Ostdeutscher Dialekt sind halt schon sehr unterschiedlich.
In den ersten Tagen wurden wir untersucht und jeder bekam einen Therapieplan, ein unglücklich gewählter Name, da er bei vielen von uns negative Erinnerungen wachrief, obwohl in diesem so angenehme Dinge wie Massage, Maltherapie, Fitnessstudio und Schwimmen drinstanden. Wir wurden auch zum Schulunterricht eingeteilt, der in Kleingruppen stattfand, um Lücken zu stopfen. Ich war die einzige, die schon maturiert hatte, aber ich bin brav in den Englischunterricht gegangen, zur Auffrischung halt.
Viel habe ich auch von den Gruppengesprächen profitiert, die jede Woche stattfanden. Dort kamen wir drauf, dass viele uns ähnliche Sorgen, Probleme oder Ängste haben. Themen waren z.B.: "Angst vor einem Rezidiv – Nachsorgeuntersuchungen: Beruhigung oder zusätzliche Sorgen", "Eltern und Geschwister – wie kommen sie mit uns, wir mit ihnen nach der Krankheit zurecht". Gut waren auch die Einzelgespräche, da sowohl der Psychologe als auch man selbst Zeit und Ruhe hatte, um über ganz persönliche Probleme zu sprechen und um neue Perspektiven zu finden.
Montags haben wir alle zusammen einen Wochenplan aufgestellt, wo wir verschiedene Gemeinschaftsaktivitäten koordiniert haben: wohin der Ganztagsausflug gehen soll (z.B.: nach Freiburg, an den Bodensee..), was wir am Wochenende und an den Abenden machen sollen etc.
Auf Sport wurde ganz viel Wert gelegt, faul durften wir nie sein: schwimmen am Montag, dienstags Fitnessstudio, mittwochs Ausdauersport und schwimmen, am Donnerstag Rückenschule… Dazwischen auch noch Heilgymnastik, Massagen, Tischtennis, Rodeln…
Langweilig war uns nie und ein Muskelkater gehörte dazu.
Insgesamt gesehen hat es mir im Schwarzwald gut gefallen, vor allem weil unsere Gruppe zusammengepasst hat. Da wir alle ziemlich kurz nach der Intensivtherapie dort waren, haben wir uns auch mehr oder weniger dasselbe von der Reha erwartet, nämlich nach der Therapie endlich wieder selbständig zu sein, wieder aktiv zu werden und sich nicht krank zu fühlen, und sich wieder auf den Alltag vorzubereiten.